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Stefans Blog - Eintrag


Shortstory zum Zweiten

Übung: eine Kurzgeschichte schreiben, die zwei vorgegebene Personen, einen vorgegebenen Ort und einen vorgegebenen Zeitpunkt beinhalten musste.

Diese Kurzgeschichte beinhaltet: Einen Pianisten, der lieber Cellist wäre und einen verliebten Konditor. Wir befinden uns zur Kaiserzeit auf dem Wiener Zentralfriedhof.


Es war ungewöhnlich, dass ein Piano Forte mitten auf dem Wiener Zentralfriedhof von der Pferdekutsche abgeladen werden musste, aber – entsprechend des letzten Willen des Verstorbenen – war dem eben so.
Weil Wiener ebenso sind – oder waren besser gesagt, in diesem Fall wohl – dachte der Pianist, der beim Abladen des Instruments dabei stand, um den Trägern den richtigen Platz der Aufstellung zu zeigen. Es sollte mitten in einer Gruppe Cellisten stehen, und der Pianist bereute gerade wieder einmal, dass er seinem Herzenswunsch – ebenso ein so schönes Instrument zwischen seinen Beinen berühren und streichen zu dürfen – nicht hatte folgen dürfen, weil seine Mutter etwas dagegen gehabt hatte.
Sie hatte stattdessen insistiert, dass er Klavier lernen solle – nämlich bei ihrer Nachbarin, die ein solches Instrument besaß, da sie früher selbst Pianistin gewesen war und nun sich als Klavierlehrerin mit Klavierstunden über Wasser hielt.
Eigentlich musste er dieser Frau dankbar sein – denn sie hatte ihm viel gezeigt, sowie nahe als auch beigebracht, dachte der Pianist, als er sich zwischen die Streicher setzte und mit ihnen sich einstimmte.
Es trafen immer mehr Trauergäste am Grab des verstorbenen Konditormeisters ein, denn dieser war sehr beliebt gewesen als Hoflieferant für seine Majestät, den Kaiser von Österreich und König von Ungarn.
Nur leider war dieser Umstand und die Verliebtheit in seine eigenen Produkte auch der Grund seines Todes gewesen, da er es als schwere Beleidigung seiner selbst – als auch des Kaisers – angesehen hatte, als einer der Offiziere der kaiserlich-königlichen Husaren seine Rumkugeln mit den Ausscheidungen seines eigenen Gauls verglich und der Konditor sich gezwungen sah, Satisfaktion zu fordern.
Eine denkbar schlechte Idee, wie sich – logischerweise – herausgestellt hatte und man dafür aber nun in den Genuss der Verschrobenheit des so durch Verliebtheit hingerafften kam. Nicht nur, dass es um die Musikbegleitung ging – nein – der Verstorbene hatte angeordnet, das an seinem Grab ein ausgedehntes Buffet seiner letzten Kreationen gereicht wurde.
Und so musste der Pianist zuerst noch die Krümel von Linzer, sowie Sachertorte von seinem Piano wischen, bevor er nun endlich damit begann, den Trauermarsch zu intonieren, während der umfangreiche Sarg des Konditormeisters zu Grabe getragen wurde.



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