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Stefans Blog - Eintrag


Fortsetzung folgt

Fernetochter
Übungs-Thema: einen Roman (ein Kapitel) fortführen (Renate Ahrens: Ferne Tochter)

Seite 10

Es klingelt. Ich schrecke hoch. Das Telefon. Kurz vor acht.
Francesco meldet sich immer übers telefonino.
Ich schaue auf das Display. Eine Hamburger Nummer. Meine Kehle schnürrt sich zu. Niemand in Hamburg weiß, dass ich hier lebe. Ich werde nicht abnehmen. Der Anrufbeantworter ist eingeschaltet...

Meine Fortsetzung:

Dann die Stimme vom AB: „Erinnerst du dich noch an mich? Du hast wohl geglaubt, ich finde dich nicht mehr, wenn du nach Rom ziehst? Aber da hast du dich geirrt! Ich weiß, wo du wohnst und ich weiß auch, dass Du jetzt Zuhause bist! Geh ans Telefon und melde dich, sonst wird gleich jemand bei den klingeln und das wird nicht dein geliebter Francesco sein!“
Ich zitterte vor Angst. Diese Stimme wurde ich unter Tausenden erkennen!
Dieser Mann, der geschworen hatte, mich ewig zu lieben.
Und, der mich so behandelt hat, dass ich von ihm geflohen bin.
Dieser Mann hat nicht gefunden!
Was sollte ich tun?
Zitternd griff ich zum Hörer und flüsterte seinen Namen. Jedenfalls den Namen, die ich ihm nach all dem schrecklichen gegeben hatte: „Hallo, du Arsch von einem streunenden Köter.“
Dann packte mich die Wut und und ich wurde lauter, heftiger: „Du glaubst mir drohen zu können? Vergiss nicht, was sich über dich weiß...
Und auch nicht, dass ich mir dafür eine 'Lebensversicherung' organisiert habe. Apropos Francesco. Du weißt, dass er von Sicilia stammt, oder?!“
Auf der anderen Seite der Leitung war beredetes Schweigen.
„Also, höre gut zu: kontaktiere mich nie wieder, sonst wird sich die Familie um dich kümmern!“ Ich legte auf.
Woher hatte ich diesen Mut gehabt, diesem Ungeheuer, diesem Narzisten, so zu begegnen? Hatte mich die Beziehung zu Francesco so sehr geändert?
Eigentlich nicht, beantwortete ich mir selbst sofort die Frage. Es war ein Prozess gewesen, die aus mir selbst heraus geschah. Francesco hat nicht nur bestärkt, genau diesen inneren Pfad zu folgen, denn er stand zu 100% hinter mir.
Plötzlich klingelt es an der Tür.
Ich fuhr zusammen und fing erneut an zu zittern.
Das war es dann, also, mit der ach so großen Selbstsicherheit. Wenn im Unterbewusstsein die Angst anfängt zu regieren, ist aller Mut dahin.
Ich saß wie gelähmt.
Es klingelte erneut, jetzt sogar mehrmals hintereinander. Das machte die Stimmung noch bedrohlicher.
Da fiel mein Blick auf die Uhr an der Wand. Essenszeit...
Plötzlich rutschte mir ein ganzes Bergmassiv vom Herzen.
Ich hatte ganz vergessen, dass ich vorhin bei der Trattoria um die Ecke eine Portion meiner Lieblings Pasta und einen großen insalata mista nebst einer Flasche ihres guten roten Hausweins bestellt hatte. Wenn Francesco nicht zum Essen da war – er war ja heute morgen zu einer kleinen Reise aufgebrochen – gönnte ich mir diese Auszeit vom Kochen.
Ich lief schnell zur Tür, unterwegs noch meine Handtasche von der Flurkomode nehmend. Noch bevor ich die Tür öffnete, rief ich laut: „ich bin gleich da!“
Den restlichen Weg zur Tür hatte ich noch Zeit, mein Portmonee aus der Tasche zu kramen. Dann war ich bei der Tür und riss sie, ohne durch den Spion zu schauen, auf.
„Mein Gott, Julia, wie lange brauchst du denn um zur Tür zu kommen", erklang eine mir wohlbekannte Stimme.
Vor mir stand – Francesco!

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